Wahlkreis-Rundschau, Ausgabe Weihnachten 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

da sind wir also wieder, im „Shutdown heavy“. Der „Shutdown light“ im November war eine gute Idee, hat nur leider nicht funktioniert. Die Situation ist nun jedoch ungleich heftiger als im Frühjahr. Besonders bitter: Unsere Senioren- und Pflegeheime sind mittendrin im Geschehen – mit den bekannten Konsequenzen. Eine hochbetagte Bekannte sagte mir dieser Tage, wie glücklich sie sei, dass sie noch in den eigenen vier Wände lebe, obwohl ihr der Haushalt schon sehr schwer falle. Die allermeisten Heimbewohner haben diese Wahlmöglichkeit nicht mehr gehabt und haben jetzt auch nicht die Möglichkeit, sich selbst zu schützen. Haben wir genug für ihren Schutz getan? Ich fürchte, wenn Corona vorbei ist, werden wir uns nicht nur vieles zu verzeihen haben, sondern auch vieles zu besprechen.

Angesichts dessen, was dieser Tage in unseren Krankenhäusern abläuft, wundere ich mich ernsthaft, über was neben den wirklich existentiellen Problemen noch so alles erbittert diskutiert wird. Wo bekomme ich jetzt die fehlenden Geschenke her? Wie ist jetzt die Verordnung für die weihnachtlichen Treffen genau zu verstehen? Was ist mit dem Feuerwerk? Entschuldigung bitte, aber das scheinen mir im Moment eher nebensächliche Fragen zu sein. Es ist seit langem klar, dass der Jahresausklang diesmal ohnehin nicht so wird wie sonst. Und wer sich bisher schon an die elementaren Regeln der Ansteckungsvermeidung gehalten hat (dankenswerterweise die überwiegende Mehrheit), hat sich auch schon längst auf das etwas andere Weihnachten eingestellt. Nun also dann eben noch ein bischen mehr anders. Betrachten wir das große Ganze und fragen uns: Ist es tatsächlich unerträglich, sich in diesem Jahr mal wirklich zurückzunehmen? Ich meine nein.

Viele wären ja froh, wenn sie einfach nur still und bescheiden unterm Tannenbaum sitzen könnten. Und damit meine ich nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen und den Pflegeheimen, die gerade über sich hinauswachsen, um das System am Laufen zu halten. Ich meine auch die vielen, die wirtschaftlich mit dem Rücken an der Wand stehen und nachts nicht mehr in den Schlaf kommen. Ich wünsche mir sehr, dass alle Einzelhändler, Künstler, Dienstleister und Gastronomen, die jetzt zur Untätigkeit verdammt sind, einen Weg finden, auf dem sie sich und ihre Mitarbeiter über den Shutdown retten können. Und ich hoffe, dass die vielen Hilfsprogramme des Staates für jede und jeden eine Perspektive aufzeigen oder zumindest doch den berühmten seidenen Faden bereithalten.

Alle Jahre wieder – wird es für viele nicht nur besinnlich, sondern regelrecht einsam. Da spielt die Corona-Verordnung keine Rolle, denn es kommt ohnehin niemand zu Besuch. In diesem Jahr fallen zudem die Weihnachtskränzchen und andere kleine Geselligkeiten aus. Das drückt auf‘s Gemüt und der Ratschlag „Augen zu und durch“ ist da wenig hilfreich. Eine Reihe von Initiativen und Vereinen versuchen, die Einsamkeit etwas aufzufangen, zumeist telefonisch. Einige Angebote habe ich Ihnen unten aufgelistet. Vielleicht können auch Sie etwas tun. Wenn Sie in ihrer Nachbarschaft Menschen kennen, die alleine sind – haben Sie ein nettes Wort, bieten Sie Ihre Hilfe an. Kostet nichts, tut nicht weh, wird aber wahrscheinlich dankbar angenommen.

Ich wünsche Ihnen trotz allem frohe Weihnachtstage und kommen Sie gesund ins neue Jahr,

Ihr
Ralf Wieland

Mitglied des Abgeordnetenhauses für den Wahlkreis 6 Mitte

Gegen die Einsamkeit zu Weihnachten

Wer allein zu Hause sitzt, dem können insbesondere die Weihnachtstage ans Gemüt gehen. In diesem Corona-Weihnachten wird Einsamkeit für noch viel mehr Menschen als sonst das vorherrschende Gefühl sein, denn viele Treffen mit der Familie und den Bekannten fallen einfach aus. Das ist zwar aus dem Blickwinkel der Ansteckungsvermeidung vernünftig. Aber Vernunft kann fehlende zwischenmenschliche Kontakte nicht ersetzen.

Auch das Telefon ist nicht wirklich ein Ersatz. Aber es kann eine große Hilfe sein, wenn man jemanden sucht, mit dem man reden kann und der mithilft, dass die eigenen Gedanken nicht nur im eigenen Saft schmoren.

Es gibt eine Reihe von Anlaufstellen, die sich genau dafür anbieten. Hier einige davon:

Silbernetz: Unter dem Motto "Einfach mal reden" verbindet Silbernetz unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 4 70 80 90 ältere Menschen, die einfach mal jemanden zum reden suchen. Unverbindlich und anonym. Das Silbertelefon ist über die Feiertage und den Jahreswechsel (24.12. bis 1.1.) rund um die Uhr erreichbar. Silbernetz hat seinen Hauptsitz in der Wollankstraße, steht aber Anrufenden aus allen Bundesländern zur Verfügung.

Humanistischer Verband: Das Team am „Berliner Seniorentelefon“ des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg steht montags und mittwochs von 12 bis 14 Uhr sowie freitags und sonntags von 14 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 030 / 279 64 44 für Gespräche zur Verfügung und beantwortet Fragen zu allen Lebensbereichen. Es werden auch Telefonkontakte zu gleichaltrigen GesprächspartnerInnen vermittelt.

Zukunftshaus Wedding: Unter 030 / 45 00 51 31 ist das „Zukunftshaus Wedding“ im Paul-Gerhardt-Stift in der Müllerstraße zu erreichen. „Wenn Sie Lust haben sich mit jemandem zu unterhalten, Fragen haben, Ihnen die Decke auf den Kopf fällt, Sie Ideen suchen Ihre Zeit zu gestalten oder Sie eine Beratung wünschen können Sie uns Mo-Do 10-16 Uhr und Fr 10-15 Uhr erreichen“, so die Beschreibung des Angebots unter dem Motto „Gemeinsam statt einsam!“

Telefonseelsorge: Unter 0800 / 111 0 111 ist jeder und jede mit einem Problem, einer schwierigen Lebenssituation oder einer Sorge willkommen und kann ohne Vorbehalte darüber sprechen. Link zur Telefonseelsorge.

Einkaufshilfen gesucht – mehr noch als im Frühjahr

Wer in Quarantäne ist oder sich aufgrund des Infektionsrisikos nicht vor die Tür traut, hat ein ganz praktisches Problem: Wo bekomme ich die Dinge des täglichen Bedarfs her?

Während des ersten Shutdowns im Frühjahr fanden sich in vielen Hauseingängen selbstgebastelte Zettel, auf denen sich Wohnungsnachbarn für die Besorgungen anboten. Eine sehr einfache und wirkungsvolle Nachbarschaftshilfe.

Jetzt, im zweiten Shutdown, ist das Infektionsrisiko ungleich höher und die Empfehlung an Risikopersonen, sich eben dieser Ansteckungsgefahr nicht auszusetzen, mindestens ebenso begründet. Gleichwohl finden sich die nachbarschaftlichen Angebote nur noch selten in den Hauseingängen. Auch zahlreiche Websites, die im Frühjahr zur Koordinierung der Nachbarschaftshilfe auf die Beine gestellt wurden, machen gegenwärtig einen eher verwaisten Eindruck. Dass die aktive Hilfsbereitschaft möglicherweise nachgelassen hat, bestätigt Elke Schilling vom Seniorentelefon „Silbernetz“, bei dem schon mehrere, mitunter verzweifelte Anfragen nach Einkaufshilfen eingegangen sind.

Meine Bitte: Wenn Sie die Möglichkeit haben, Ihre Hilfe für Einkäufe und Besorgungen anbieten zu können – hängen Sie bitte (wieder) einen Zettel in den Hausflur und sprechen Sie auch Ihre Nachbarn darauf an. Wenn die Hilfe nicht gebraucht wird, wurde schlimmstenfalls ein freundliches Wort (mit Maske und Abstand) gewechselt.

Einige institutionelle Hilfsangebote gibt es am Gesundbrunnen (und anderswo) aber nach wie vor:

DRK Wedding: Das „Rote Kreuz Wedding / Prenzlauer Berg“ nimmt telefonisch unter 030 / 600 300 – 5555 Mo-Fr zwischen 9.00 und 13.30 Uhr Bestellungen entgegen, die dann am Folgetag ausgeliefert werden. Das Angebot umfasst Grundnahrungsmittel und in geringer Auswahl Genussmittel. Bezahlt wird auf Rechnung.

ASB: Der „Arbeiter-Samariter-Bund“ vermittelt Hilfesuchende und Helfende oder hilft auch direkt. Unter 030 / 62 93 37 59 werden die Anfragen und Angebote koordiniert. Neben Einkaufshilfen können z.B. auch Hundebetreuung oder ein Rezepteservice organisert werden.

Freiwilligenagentur: Die „Freiwilligenagentur Mitte“ mit Sitz in der Fabrik Osloer Straße vermittelt Hilfsangebote im Bezirk Mitte. Dort sind nach eigenen Angaben ca. 600 Helfende registriert. Die „Hilf-jetzt-Hotline“ unter 030 / 48 62 09 44 ist Mo-Fr von 10 bis 14 Uhr, Di & Do von 10 bis 18 Uhr besetzt.

FAM e.V.: Der Verein „Freunde alter Menschen e.V.“ unterhält in der Oxforder Straße am Schillerpark einen Nachbarschaftstreffpunkt, der unter 030 / 20 09 43 56 erreichbar ist. Es ist weder eine Telefon-Hotline noch eine Hilfevermittlung im klassischen Sinne, aber eine gute Adresse, wenn Hilfe und Rat gebraucht wird.

Weitere Hilfsangebote, Anlaufstellen und Informationen finden sich u.a. auch auf dem Engagementportal "bürgeraktiv" des Landes Berlin.

Gottesdienste am Heiligen Abend

Gottesdienste sind nach den geltenden Infektionsschutzregeln zulässig, allerdings bestehen auch hier besondere Bedingungen.

So weißt z.B. die Ev. Kirchgemeinde an der Panke darauf hin, dass alle Besucher Teilnehmerkarten ausfüllen bzw. die Teilnehmerkarten runterladen und ausgefüllt mitbringen müssen. Während des Gottesdienstes müssen Masken getragen und Abstände bei den Sitzplätzen eingehalten werden.

Folgende Gottesdienste bietet die Kirchgemeinde an der Panke an:
15.00 Uhr Stephanuskirche
15.00 Uhr St. Paul
17.00 Uhr Stephanuskirche
23.00 Uhr St. Paul.

Ralf Wieland, MdA

Bürgerbüro am Gesundbrunnen | Behmstraße 11 | 13357 Berlin | buero@ralf-wieland.de | 030/ 64 31 23 20 | ralf-wieland.de